DIE SCHUTZBEFOHLENEN

Stück von Elfriede Jelinek

 

[K2] IN DER WERKSTATT

PREMIERE 09.06.2017

SCHAUSPIEL

 

Regie Elke Hartmann

Ausstattung Alexia Engl

 

Elfriede Jelinek nimmt sich gerne tagespolitischer Themen in ihren Texten an, keineswegs aber tagespolitischer Eintagsfliegen. 2013 war es das Schiffsunglück vor Lampedusa, das sie wie auch die Besetzung der Wiener Votivkirche zu einem wortgewaltigen Stück über die Festung Europa anregte. 2015 ereignete sich die nächste Tragödie vor Lampedusa, es folgten Monate, die für die Asylpolitik der EU zum Prüfstein wurden. „Die damals in der Kirche waren, die dort Kirchenasyl verlangt haben, die sind ja gar nichts mehr, die waren nicht einmal ein Anfang“, ergänzt sie 2015 ihre bildreiche und wortgewaltige Textcollage. Dabei wählt die Nobelpreisträgerin aber ein unorthodoxes Mittel, um unsere Empathie zu wecken: Statt das Schicksal eines Einzelnen zu beleuchten, stellt sie einen Chor auf die Bühne – eben jene gesichtslose Masse an Menschen, die an die Tore Europas klopfen. Formal folgt sie damit dem wahrscheinlich ältesten Drama, Aischylos’ Die Schutzflehenden. Sie interpretiert den Titel aber um und macht deutlich, worauf das litaneihafte Flehen und Klagen, die parodistischen Wortspielereien und gewitzten Textschlaufen abzielen: Es ist das Recht der Menschen, um Schutz anzusuchen, und unsere Pflicht, diesen zu gewähren. Dass dies den Regierungen oft egal ist, da schon der Aufenthalt nicht legal ist, zeigt die Absurdität des Systems, die Jelinek mit beißender Ironie auszuloten weiß.

 

WIR SIND JA VIELE, ABER GLEICHZEITIG WENIGE,

WIR SIND DAS RINNSAL, DAS SPÄTER DANN AUS DEM TIEFKÜHLWAGEN RINNT, WENN WIR ENDLICH ERFROREN SIND UND DANN WIEDER AUFTAUEN, GESCHLEPPT, GEWASCHEN, NEIN, DAS NICHT, ABER GESCHLEUDERT AUF DER AUTOBAHN ZWISCHEN SCHÖNEN AUFBAUTEN IHRER KULTUR, ...

 

 

© Video Fabian Schiffkorn

 

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