Die „alte Mär“ vom Jedermann

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Die NESTROY-Theaterpreis-prämierte Neudichtung des Jedermann (1911) von Bachmann-Preisträger Ferdinand Schmalz ist endlich live in den Kammerspielen zu sehen.

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Die Freude ist unbändig: Elke Hartmanns mitreißend kluge Inszenierung von Ferdinand Schmalz’ jedermann (stirbt) darf in den Kammerspielen doch noch live aufgeführt werden: Der reiche und rücksichtslose Börsenspekulant jedermann (Raphael Kübler) gibt sein allerletztes Fest im sicher eingezäunten Garten – eindrucksvoll für die Bühne übersetzt von Alexia Engl – zu den atmosphärischen Klängen von Brian Eno, Billie Eilish oder Soap&Skin.

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Die „alte Mär“ vom Jedermann ist weithin bekannt: Der reiche, aber ohne jegliche Empathie durch die Welt schreitende Jedermann zeigt sich im Angesicht des Todes vor Gott schlussendlich reumütig und wird erlöst. Hugo von Hofmannsthals Jedermann (1911) basiert auf dem berühmtesten englischen Morality Play Everyman aus dem späten 15. Jahrhundert. Eine zeitgemäße Version als Rock Mystery war am TLT in der Spielzeit 2016.17 in der Regie von Intendant Johannes Reitmeier als Österreichische Erstaufführung zu sehen. Der steirische Autor und Bachmann- Preisträger Ferdinand Schmalz schrieb im Auftrag des Wiener Burgtheaters die Neudichtung jedermann (stirbt) und erhielt dafür 2018 den NESTROY-Theaterpreis.

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Das Stück macht große Schritte in Richtung Säkularisierung, die Sprache und der Text bieten eine „große Spielwiese: Musik, Rhythmus, Leichtigkeit, eine immense Chance“ (Elke Hartmann). Die Frage, ob der Todesmoment ein Erkenntnismoment sein kann, ist bei Schmalz nach wie vor zentral, wird hier aber auf sehr profane Art und Weise gestellt.

Text: Theresa Krismer
Fotos: Birgit Gufler


jedermann (stirbt)

Schauspiel von Ferdinand Schmalz.

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