Wie ein Shakespeare-Klassiker zur Komödie wird

Jahrelang hat sich Michael Niavarani, Österreichs wohl populärster Komödiant, tunlichst vom König der Dramatiker ferngehalten, um jede Ansteckung zu vermeiden, dann ist das Shakespeare-Virus umso heftiger auf ihn übergesprungen. Fieberhaft dachte er darüber nach, wie man all die Weisheit, Derbheit und Verderbtheit, das Leuchten und die Genialität in Shakespeares Werk in die Gegenwart transferieren könnte.

Auseinandernehmen und neu zusammensetzen

So wurde die Tragödie „Richard III.“ vom Tausendsassa höchstpersönlich von Grund auf umgekrempelt. Die Idee für die Umgestaltung des grausamen Königsdramas kam Niavarani während der Lektüre des Originalstücks. Er verliebte sich in zwei der Randfiguren und beschloss, das gesamte Stück aus der Sichtweise dieser beiden komödiantischen Personen zu erzählen. So erschuf er William Forrest und Frederick Dighton, ein Schuster und ein Koch, sollen dem skrupellosen, machtgierigen Richard beim Kampf um den Königsthron helfen. Kaum wurden die zwei mittellosen Lebemänner von Richard angeheuert, stehen sie im Tower von London und für Forrest und Dighton beginnt ein Abenteuer, von dem sie niemals zu träumen gewagt hätten.

Shakespeare wie Michael Niavarani ihn sieht

Die erfrischende Kombination aus dem Originalstück und Komödie bietet genau das, was eine Mischung aus Shakespeare und Niavarani erwarten lässt – versehen mit einem klassischen “Wiener Schluss”. Für die Aufführungen ließ der Großmeister der Kleinkunst ein eigenes, dem Londoner Globe nachempfundenes Theater in die Marx Halle bauen. Das vermeintlich wahnwitzige Projekt wurde eine Erfolgsstory – und das schon lange vor der eigentlichen Premiere. Nach jeder der stets ausverkauften Einspielvorstellungen schraubte und feilte Niavarani an seiner Neuschöpfung – ein Work in Progress also. Rund 1.000 Menschen pilgerten täglich zum Areal der ehemaligen Wiener Schlachthöfe St. Marx, um Shakespeare zu sehen. Oder eigentlich: um Shakespeare zu sehen wie Michael Niavarani ihn sieht.

Richard III. im Tiroler Landestheater

Ab 16. März gibt es das Shakespeare’sche Vergnügen auch im Westen Österreichs zu sehen. Regisseurin Susi Weber inszeniert das Erfolgsstück im Großen Haus des Tiroler Landestheaters. Zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler übernehmen darin nicht weniger als sage und schreibe 53! Rollen. Und genau so viele Liter Blut werden pro Vorstellung vergossen, es wird ein Mords-Spaß, so viel ist sicher.

 

„Ein Hoch auf Euch, edler, anmutiger, wunderschöner Richard, dessen Buckel man kaum sieht. Das ist ja nur ein Wimmerl.“ – Forrest, Die unglaubliche Tragödie von Richard III.

 

Die unglaubliche Tragödie von Richard III.

 

Eine Komödie von Michael Niavarani. Frei nach William Shakespeare.

Premiere am 16.03.2019

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© Jan Frankl