Schwanensee: getanztes Märchen

27.1.2026 / blog
Catarina Abreu als Odette © Leon Arevalo Catarina Abreu als Odette

Den meisten Menschen in unserem Kulturkreis ist der Titel Schwanensee ein Begriff – aber wie sieht es eigentlich mit der Handlung aus?

Marcel Leemanns und Stefan Spätis Innsbrucker Schwanensee basiert weitgehend auf dem Märchen der Vorlage, wird jedoch um einige Charaktere und Wendungen erweitert. Nachfolgend lesen Sie den Inhalt unseres Tanzstücks, das am 7. März im Großen Haus Premiere feiert.

So ein Prinz hat es nicht leicht – zumindest, wenn er ein freiheitsliebendes Geschöpf wie Prinz Siegfried ist. Nichts würde er lieber tun, als die ganze Welt zu bereisen und nichts ist ihm so zuwider, wie sesshaft zu werden. Genau das ist aber die royale Pflicht des vor Kurzem volljährig Gewordenen. Die Königsfamilie hat in den letzten Jahren an Macht und Einfluss eingebüßt. Um dem entgegenzuwirken, holt sich Siegfrieds Mutter, die Königin, Rat von einer Finanzberaterin und einem politischen Berater. Die Lösung ist klar: Siegfried, der einzige Nachkomme des Königspaars, muss schnellstmöglich in ein reiches Königshaus einheiraten. Den jungen Prinzen quält diese Vorstellung. Nicht nur ans Königreich soll er sich binden, sondern auch an eine aufgezwungene Heiratskandidatin.

Es ist der Tag vor dem großen Ball, an dem Siegfried sich für eine von vier auserkorenen Prinzessinnen entscheiden muss. Schweren Herzens kehrt er von seiner letzten großen Reise heim. Im Schlepptau hat er zwei neue Freunde, die er unterwegs kennengelernt hat. So holt er sich die weite Welt zumindest ein Stück weit mit nach Hause. Kaum im Palast angekommen, tritt auch schon die Hofgesellschaft auf – geschäftig, bestimmend und immer die eigenen Interessen im Vordergrund haltend. Alle sind gespannt auf die bevorstehende Hochzeit, und die Königin beschwört Siegfried, ausnahmslos für den Hof da zu sein. Die Finanzberaterin und der politische Berater agieren in ihrem System und mahnen zur Einhaltung aller Pläne. Zumindest Siegfrieds treuer Freund Doggo, ein Wesen zwischen Mensch und Tier, ist ihm nach wie vor herzlich und ehrlich verbunden und freut sich über das Wiedersehen. Die Prinzessinnen Nord, Ost, Süd und West werden offiziell vorgestellt: Siegfried würde sich lieber mit seinen Freunden im Hintergrund halten, spielt aber mit und schenkt allen seine Aufmerksamkeit. Zum Trost verspricht ihm sein Freund Doggo einen nächtlichen Streifzug durch die wilde Natur ums Schloss herum. Die Vorbereitungen für den Ball nehmen ihren Lauf. In ausgelassener, erwartungsfroher Stimmung geht der Tag für die Hofgesellschaft zu Ende, während Siegfried und seine Freunde sich aus dem Palast schleichen.

«Freuen Sie sich auf das wohl berühmteste Tanzstück überhaupt zu Tschaikowskis zauberhafter, mitreißender Musik.»

Szenenwechsel: Wir befinden uns an einem von weißen Schwänen bewohnten See. Natürlich handelt es sich hier nicht um reguläre Wildvögel, denn schließlich ist Schwanensee ein Märchen, und was wäre ein Märchen ohne bösen Zauberer? Rotbart ist sein Name, und in dieser Produktion taucht er gleich in doppelter Ausgabe in Form von zwei Tänzern auf. Die Schwäne waren einst junge Menschen und wurden von Rotbart verwandelt, allen voran Odette, die ursprünglich aus einer anderen Welt kommt. Der sadistische Magier macht sich ein Vergnügen daraus, seine Schwäne zu quälen. Odette stellt sich ihm mutig entgegen, kann aber nichts gegen seine doppelte Macht ausrichten. Endlich verzieht er sich in die Nacht. Da erreichen Siegfried und seine Freunde den See. Die Schwäne fassen den Fremden gegenüber langsam Vertrauen. Odette erzählt von Rotbart und seinem hämischen Zauber, der nur durch die wahre Liebe eines jungen Prinzen gebannt werden kann (Rotbart hätte sich wohl nicht gedacht, dass diese Situation tatsächlich eintreten könnte …)

Siegfried ist fasziniert von Odette. Die beiden merken schnell, dass sie viel gemeinsam haben und nicht in die Welt passen, in der sie jeweils gefangen sind. Gleichzeitig ist sich Odette bewusst, dass sie von Siegfrieds Handeln abhängig ist, wenn sie je wieder frei sein will. Der Prinz schwört ihr, sie so bald wie möglich von ihrem Schwanendasein zu erlösen und verabschiedet sich. Rotbart jedoch hat die Situation beobachtet und ist alarmiert – er braucht dringend einen Plan, da er Odette sonst zu verlieren droht.

Der große Tag des Balls ist da. Siegfried ist in seinem Liebestaumel euphorisch. Um sich Zeit zu verschaffen, wahrt er jedoch den Schein. Mitten in die Festlichkeiten und die Auftritte der Prinzessinnen platzt Rotbart hinein (der Königin ist er kein Unbekannter). Er bringt eine junge, ganz in schwarz gekleidete Frau mit, die er Odile nennt und als einflussreichste und wohlhabendste Prinzessin überhaupt ankündigt. Sein Zauber wirkt, Siegfried wird von der Illusion getäuscht und meint, Odette vor sich zu haben. Er macht ihr einen Heiratsantrag, im Irrglauben, dass sie damit für immer erlöst sei. In Wahrheit ist Odile eine Art künstliche Intelligenz, die Rotbart aus dem Wesen von Odette erschaffen hat. Siegfried erhält den Segen der Königin für die Heirat mit Odile. Da plötzlich erscheint ihm die wahre Odette und er erkennt den Schwindel sowie seinen Fehler. Wild entschlossen rennt er aus dem Ballsaal, die Hofgesellschaft bleibt desillusioniert zurück. Kaum hat Siegfried mit seinen Freunden den See erreicht, um Odette alles zu erklären, trifft Rotbart mit Odile ein. Es kommt zum Kampf. Plötzlich stehen sich Odette und Odile gegenüber…

Das große Finale soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Freuen Sie sich auf das wohl berühmteste Tanzstück überhaupt zu Tschaikowskis zauberhafter, mitreißender Musik. Es tanzt das Tanzensemble des Tiroler Landestheaters in einer Choreografie von Marcel Leemann in Begleitung des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck unter der Leitung von Gerrit Prießnitz.

TEXT Stefan Späti
BILD Leon Arevalo