Von Mozart bis Staud

24.4.2026 / blogartikel
Valerie Fritz © Dino Bossnini Valerie Fritz

7. Symphoniekonzert – Kontraste: zwischen Rückblick und Weiterdenken

TSOI-Chefdirigent Ainārs Rubiķis eröffnet das 7. Symphoniekonzert mit Benjamin Brittens Simple Symphony für Streichorchester. Die «Einfache Sinfonie» ist eine Retrospektive auf Brittens eigene Kompositionen aus Kinderzeiten. Hinter Titeln wie «Playful Pizzicato» oder «Sentimental Saraband» verbirgt sich keineswegs triviale Musik: Virtuosität, Witz und klangliche Finesse prägen die vier Sätze, die Britten im Alter von nur 21 Jahren zur Uraufführung brachte.

Einen Blick zurück wirft im daraffolgenden Werk auch der Innsbrucker Komponist Johannes Maria Staud: Für sein 2006 entstandenes Stück Segue. Musik für Violoncello und Orchester diente als Ausgangspunkt eine unvollendete Mozart- Skizze. Aus den zunächst sehr vertraut wirkenden Klängen à la Mozart entwickelt sich jedoch etwas völlig Neues, Eigenes. Staud spielt dabei mit Erwartungshaltungen, Formen und Klangfarben und erschat eine Musik, die Vergangenheit und Gegenwart auf faszinierende Weise verbindet. Er entschied sich dabei bewusst gegen die Bezeichnung «Konzert». Statt tradierter Formmodelle entsteht eine Musik, die sich allein aus ihrer inneren Logik entwickelt. Der italienische Titel Segue («es folgt») – steht für ein kontinuierliches Weiterdenken, ein Komponieren ohne festgelegtes Ziel.

Den Solopart übernimmt die Tiroler Cellistin Valerie Fritz, die in der Saison 2025/26 als ECHO Rising Star in den bedeutendsten Konzertsälen Europas zu erleben ist. Bekannt als neugierige Grenzgängerin zwischen den Stilen, kuratiert sie als Leiterin der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik – Sektion Tirol die Konzertreihe noiz//elektrorauschen und gibt ihre Faszination für aktuelle Klänge in Workshops an Schulen und Universitäten weiter. Als Kontrast folgt schließlich Mozart in Reinform. In seinen Werken verschmelzen Oper, Kammermusik und sinfonisches Denken zu einer Klangsprache von erstaunlicher Fortschrittlichkeit. Mit seiner letzten Sinfonie, der Jupiter-Sinfonie – modern für die damalige Zeit und zeitlos in ihrer Wirkung – landete er einmal mehr einen Geniestreich.

Sieben Fragen an ... Ainārs Rubiķis

Ainārs Rubiķis © Janis Porietis Ainārs Rubiķis

Wen möchtest du einmal bei dir zum Essen einladen? 

Ich würde gerne meinen besten Freund einladen, den ich schon seit einem Jahr nicht mehr gesehen habe. Mit ihm konnte ich immer offen über alles sprechen – ohne Geheimnisse und ohne Lügen. Und wir würden ganz bestimmt unsere selbst erfundenen «Blaumanis-Salate» essen (benannt nach der Straße, die den Namen des lettischen Schriftstellers trägt und in der wir oft zusammen zu Abend gegessen haben).

Hast du ein geheimes Talent?

Ich weiß nicht ... das müsste man wohl andere fragen. Man sagt, dass mir Fotografieren liegt und musikalische Arrangements ganz gut gelingen. Wirklich – ich weiß es nicht 🙂

Welcher Song ist der Soundtrack deines Lebens?

Ach oje 🙂 … davon gibt es viele. Sehr, sehr viele – für jede Lebensphase, jeden Abschnitt, jeden Moment einen eigenen. Wenn ich es im Moment sagen müsste, dann wäre es das Lied der lettischen Sängerin Zane Dombrovska – «Man tas netiek klāt».

Wie erklärst du einem Außerirdischen deine Arbeit am Theater/im Orchester?

Nun, diese Frage ist sehr schwer zu erklären … und ehrlich gesagt kommt es mir selbst manchmal wie ein Phänomen vor: Eine Person gestikuliert – und mindestens 40 Menschen reagieren auf diese Geste. Aber wahrscheinlich hat diese Arbeit mit den Saiten des menschlichen Herzens zu tun: wie man Menschen berührt, erfreut, beeinflusst und inspiriert. In meinem Verständnis handelt meine Arbeit von Liebe und Emotionen – von all den Farben des Lebens, die uns das Leben schenkt.

Wie kann man dich beeindrucken?

Nur mit aufrichtiger und echter Liebe.

Dein Job als Filmtitel?

Die unendliche Geschichte

Die Probe ist aus und du …?

Ich lege den Taktstock auf das Pult und danke Gott und meinen Liebsten dafür, dass sie bei mir sind. Wenn man es aber pragmatisch betrachtet: Nach einer Probe am Morgen versuche ich auf jeden Fall, bei einem Spaziergang den Kopf freizubekommen – eine Tasse Kaffee zu holen und einfach ein wenig durch die Straßen zu schlendern. Wenn es eine Abendprobe ist, dann esse ich gut zu Abend und schaue mir vielleicht noch einen Film an.

TEXT & FRAGEN Johanna Muschong