Nazis. Schafe. Keller. Super.

13.1.2026 / blog
Hansjörg Sofka, Fraugustin und Bettina Bruinier gönnen sich köstliche Getränke aus dem Automaten. © Raphael Gutleben Hansjörg Sofka, Fraugustin und Bettina Bruinier gönnen sich köstliche Getränke aus dem Automaten.

Ein intensives Fachgespräch zur Komödie Sein oder Nichtsein am Innsbrucker Stadttheater (seit 1939 Tiroler Landestheater, umbenannt auf Empfehlung von Franz Hofer, Gauleiter).

Fraugustin Wo sind wir hier?

Bettina Bruinier Im Keller vom Tiroler Landestheater.

Und wo genau?

Hansjörg Sofka Beim Kaffeeautomaten.

Und was machen wir hier?

Bettina Wir reden über Sein oder Nichtsein, eine Komödie von Nick Whitby nach dem gleichnamigen Film von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942. Es geht um eine antifaschistische Schauspieltruppe, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im besetzten Warschau um ihr Leben spielt. Die Schauspieler: innen verkleiden sich als Nazis und tricksen so die echten Nazis aus.

Bettina, du führst Regie. Ich mache die Dramaturgie. Und was machst du, Hansjörg?

Hansjörg Ich trinke gerade einen wunderbaren Tee aus dem Automaten. Beim Automatenteetrinken fällt mir immer die beste Musik sein. Meine Kompositionen für Sein oder Nichtsein werden so aberwitzig lustig sein wie das Stück, aber sie sollen auch zum Nachdenken anregen. Über das Phänomen des Faschismus. Der Faschismus von Damals ist nicht der Faschismus von Heute, aber sie sind eng verwandt. Meine Musik führt durch die damalige Zeit – und landet im Heute.

Warum sind wir eigentlich ausgerechnet im Keller vom Tiroler Landestheater?

Bettina Weil wir uns wahrscheinlich immer noch vor den Horden auf dem Vorplatz vom TLT grausen, die damals Hitler zugejubelt haben. Deswegen haben wir uns in der hintersten Ecke beim Kaffeeautomaten versteckt.

Hansjörg Ja, verstecken im Keller, das ist eine gute Sache. Außerdem steht hier der Automat mit dem Tee, bei dem mir immer die beste Musik einfällt, wie gesagt.

Ich find’s auch super hier mit euch. Aber wir können nicht ewig hier bleiben und uns verstecken, oder?

Bettina Warum nicht?

Hansjörg Weil der Automat irgendwann leer sein wird, und dann fällt mir keine gute Musik mehr ein.

Bettina Nichts wie raus!

Aber es darf nicht wie eine feige Flucht aussehen!

Bettina Wir verkleiden uns!

Hansjörg Als Nazis?

Bettina Nein! Ich will mein Lieblingskostüm tragen!

Und was ist dein Lieblingskostüm?

Bettina Das Schaf aus dem Fight Club Tirol, unserer legendären Live-Talkshow. Im Schafskostüm bin ich unverwundbar, da kann mir keiner was!

Hansjörg Ich nehme mein Kostüm aus The Rocky Horror Show. Ich mache ja gerade nach jeder Vorstellung die Erfahrung, dass ich rausgehe und Freunde zu mir sagen: «Wir haben gedacht, du machst dort mit.» Also mich erkennt niemand.

Mich erkennt auch niemand, mit oder ohne Verkleidung. Also nichts wie raus! Was nehmen wir: Treppe oder Lift?

Hansjörg Ich nehm den Lift, auch wenn’s nur ein Stockwerk ist. Ich fahre prinzipiell immer mit dem Lift und hoffe, dass er nicht steckenbleibt.

Bettina Treppen, Treppen, Treppen! Im Schafsgalopp! Einfach ein Stockwerk rauf, und dann treffen wir uns oben im Erdgeschoss.

Wenn das hier der Führerbunker wäre, könnten wir einen Tunnel graben.

Bettina Mit den Plastikstäbchen vom Kaffeeautomaten?

Es wäre einen Versuch wert.

Hansjörg Dann brauchen wir tausend Jahre, was natürlich sehr passend ist.

Bettina Ich nehm die Treppen.

 

TEXT Fraugustin
BILD Raphael Gutleben