Die Kirsche auf der Sahnetorte | «Is Anybody Home?»

Seit der Spielzeit 25/26 ist Laetitia Toursarkissian im Schauspielensemble des TLT. Kaum angekommen war sie bereits in zahlreichen Produktionen zu erleben: In Verschwinden in Lawinen, Geschichten vom Franz, Sein oder Nichtsein und demnächst in Der Talisman. Besonders gereizt an Innsbruck hat sie aber eine andere Produktion …
Uschi Oberleiter Liebe Laetitia, erzähl doch mal: Als die beiden Schauspieldirektorinnen dir den geplanten Spielplan für 25/26 geschildert haben, hat dich ein Name besonders angesprochen, richtig?
Laetitia Toursarskissian Genau. Als ich das Ensemble- Angebot bekommen habe, habe ich mich schon sehr gefreut, aber als ich dann noch gehört habe, dass Gob Squad mit Is Anybody Home? ans Tiroler Landestheater kommt, war das für mich sozusagen die Kirsche auf der Sahnetorte.
Wie und wo hast du Gob Squad denn schon erlebt?
Ich habe in Berlin nach meinem Abitur angefangen, erste Schauspielerfahrungen zu sammeln – u. a. beim Jugendclub der Volksbühne. Das war eine sehr aufregende Zeit, in der ich für mich rausgefunden habe, dass ich unbedingt am Theater arbeiten möchte. Und während ich da auf der kleinen Bühne im 3. Stock das Schauspielen entdeckt habe, hat Gob Squad auf der großen Bühne die Perfomance-Reihe Is Anybody Home? aufgeführt. Ich erinnere mich noch, dass ich total fasziniert war, dass das auch Theater sein kann.
Innsbruck ist ja nicht Berlin, denkst du, dass diese Performance hier in ähnlicher Weise funktionieren wird?
Vielleicht ist gerade die «überschaubare Größe» von Innsbruck das, was diese Begegnungen sogar noch unmittelbarer und damit eindrücklicher macht. Weil einem dadurch klar werden kann, wie viel sich hinter den Häusern, an denen man jeden Tag vorbeiläuft, eigentlich verbirgt.
Wie würdest du «Is Anybody Home?» denn kurz umreißen?
Im Prinzip funktioniert es so: Eine Person aus der jeweiligen Stadt – zum Beispiel ich in Innsbruck – sitzt live auf der Bühne: im Bett und im Pyjama. Während diese Person also im Theater ist, sind Performende von Gob Squad zur selben Zeit in ihrer Wohnung unterwegs. Dort erkunden sie die Räume, auf eine sehr einfühlsame, respektvolle und neugierige Weise. Es geht dabei nie nur um Möbel oder Räume, sondern immer auch um die Menschen dahinter. Ihre Geschichten, ihre Gewohnheiten, ihre Spuren im Alltag. Das wird dann live gefilmt und ins Theater übertragen. Das Spannende dabei ist, dass die Person auf der Bühne diesen Prozess gemeinsam mit dem Publikum erlebt. Zum ersten Mal, live und ohne zu wissen, was genau passieren wird.
Gibt es einen Platz in deiner Nachbarschaft, den du Gob Squad besonders empfehlen würdest?
Hm. Letztens habe ich auf meinem Weg ins Theater ein armenisches Denkmal entdeckt. Das war für mich ein irgendwie schräger, aber gleichzeitig sehr schöner Moment, weil ich selbst armenische Wurzeln habe. Es gibt ein paar Sitzbänke um dieses Denkmal, man sieht auf den Inn und ist von Blumen umgeben. Also falls Gob Squad eine kleine Sitzpause am Weg einlegen will, empfehle ich dieses Plätzchen.
Fühlst du dich denn schon ein bisschen «at home» in Innsbruck?
Ja, mittlerweile schon und jeden Tag ein bisschen mehr.
FRAGEN Uschi Oberleiter



