Einblicke in die Kreationen von «Next Level»

1.4.2026 / blogartikel
© Leon Arevalo

Next Level Vol. 1 & Vol. 2 sind zwei verschiedene Tanzabende mit je fünf Stücken, die alle von Mitgliedern des Tanzensembles choreografiert werden.

When the Heart Starts to Whisper (Choreografie: Sarah Merler)

When the Heart Starts to Whisper ist ein Blick in unser inneres Archiv aus Begegnungen, Erinnerungen und ungesagten Worten. Ein Ausdruck dessen, was wir nicht greifen, aber spüren. Das Stück lädt ein, wahrzunehmen, was wir in uns tragen, ohne es benennen zu müssen – eine Suche nach Bewegung, die entsteht, wenn das Außen verstummt.

Stomach of the Wound (Choreografie: Melissa Totaro)

«Tränen heilen nicht, sie verstärken nur den Schmerz. Wie Salz in der Wunde.» In schweren Zeiten reagiert mein Körper, besonders mein Magen, auf meine Emotionen. Wenn ich für dieses Stück Schritte, Konzepte oder Emotionen mit meinen Tänzer:innen teile, wird mir bewusst, dass Akzeptanz und Heilung die Seele befreien können.

3 Stories (Choreografie: Yi Yu)

Story 1 – Mutter: «Der Mutter Herz ist immer bei den Kindern.» Doch was, wenn sie zuerst geht?

Story 2 – Vater: Keine Umarmungen, keine großen Worte. Die Hände in den Taschen, der Blick auf den Boden gerichtet. Und doch weiß ich: Er liebt mich.

Story 3 – Kinder: «Bin ich das perfekte Kind – oder habe ich euch enttäuscht?»

What am I doing here? (Choreografie: Eskil Dorrepaal)

Mein Stück ist eine Verbindung aus Tanz und Schauspiel mit Texten von Julia Costa. Humorvoll erzählt das Stück vom Angestellten Cosmas und seinem zwischen Absurdität und Monotonie schwankenden Büroalltag.

Bardo 49 (Choreografie: Mingfu Guo)

Wir sind nur Gäste auf dieser Welt. Im Vajrayana-Buddhismus beschreibt das Konzept der Bardos Übergangszustände zwischen Geburt, Tod und Wiedergeburt. Die Phase zwischen Tod und Wiedergeburt dauert 49 Tage und umfasst drei Stadien.

Secret Garden (Choreografie: Olivia Swintek)

Secret Garden legt den Fokus auf unsere innere und äußere Welt sowie den Raum dazwischen. Ich glaube, dass alle Lebewesen einen Ort in ihrem Inneren haben, der von der Welt unberührt ist. In meinem Stück erforsche ich, wie wir diese verborgene Kraft trotz äußerer Herausforderungen erkennen und würdigen können.

Waldeinsamkeit (Choreografie: MingXuan-Vincent Gao)

Am Anfang meines Stücks steht eine Begegnung, die der Körper vor dem Verstand erkennt. Aus Instinkt entsteht Bewegung. Von Isolation entwickeln sich die Tänzer:innen hin zu Wiedererwachen und gemeinsamer Befreiung – zu Rhythmus, Atem und präsenter Freude.

I Can’t Stand to See You Cry (Choreografie: Fanklin Jones da Silva Santos)

Ein Zittern in der Luft. Dein Schweigen berührt meine Haut, bevor deine Tränen den Boden berühren. Ich rege mich, ohne mich zu bewegen. Deine Verletzung wird zu einem Puls in mir. Nicht meiner. Nicht deiner. Im Raum zwischen uns lauscht etwas, übersetzt, verrät. Und plötzlich gibt es keine Grenze mehr, nur noch einen Körper, der in einem anderen widerhallt.

Fight Dog (Choreografie: Elizabeth Shupe)

Seine Qual machte ihn zum Kampfhund. Vorsicht, Junge ... Beißt er die Hand, die ihn füttert? Schließlich ist er ein Kampfhund – gezüchtet, mit geschärften Krallen und abgeschnittenen Ohren. Komm näher, wenn du dich traust ... Beißt er auch dann, wenn du es erwartest? Und beißt er nicht, wenn er Schläge erwartet? Und so wirst du gebissen werden, und er wird geschlagen werden, und alles wird bleiben, wie es immer war.

Drink me I’m bleeding (Choreografie: Giorgos Mitas)

Dies ist keine Geschichte, sondern eine Erinnerung, die zurückkehren will. / Trink mich. Ich blute. / Die Angst bewegt sich hier leise, fast elegant – es könnte wie ein Tanz aussehen.

Stefan Späti © Bernhard Aichner Stefan Späti

Vier Fragen an Stefan Späti, Co-Direktor Tanz

Wenn man sich euer diesjähriges Tanzprogramm ansieht, dann fällt einem sofort die ungeheure Vielschichtigkeit auf – thematisch wie tänzerisch. Das ist vermutlich kein Zufall.

Nein, im Gegenteil. Mein Kollege Marcel und ich legen den Fokus ganz bewusst auf unterschiedliche choreografische Handschriften und Stile. Unser Ensemble soll verschiedene Facetten von sich zeigen und das Publikum immer wieder neu überraschen. Das ist das Schöne am Theater: Es bleibt nie stehen, wir starten jedes Mal bei Null, bewegen uns in wenigen Wochen auf den Höhepunkt – die Premiere – zu und erfinden uns dabei immer wieder neu. Da hat alles Platz: vom Klassiker Schwanensee über das Format für junge Choreograf:innen Next Level Vol. 1 & 2 bis hin zu spartenübergreifenden Produktionen wie der Oper Don Quichotte, bei der das Tanzensemble ebenfalls mitwirken wird.

Ihr wagt euch zudem mit «Schwanensee» an einen echten Ballettklassiker. Wie nähert man sich so einem ikonischen Werk?

Man könnte sich dem Stoff von unzähligen Seiten nähern – Schwanensee wurde oft neu erfunden und in ganz unterschiedlichen Versionen auf die Bühnen dieser Welt gebracht. Wir haben uns jedoch entschieden, nah an der Vorlage zu bleiben und ein Märchen für die ganze Familie zu erzählen. Einige Charaktere und inhaltliche Wendungen haben wir dazu erfunden, um die Geschichte zeitgemäßer zu gestalten und für das Ensemble mehr solistische Einsätze zu schaffen. Aber die Struktur der Erzählung bleibt, wie auch die unglaublich emotionale und mitreißende Musik von Tschaikowski – einige Kürzungen inbegriffen, sonst würde der Abend über drei Stunden dauern.

Mit dem Tanzabend «Next Level» ermuntert ihr euer Ensemble erstmals dazu, sich auch choreografisch zu versuchen. Genauso ist auch dein Direktionskollege Marcel Leemann ins Choreografieren hineingewachsen. Du warst ja ebenfalls Tänzer, für dich war das nie eine Option?

Nein, das war es tatsächlich nie. Ich habe in meiner tänzerischen Laufbahn in unzähligen solchen Abenden mitgetanzt. Es war stets abwechslungsreich und bereichernd. Aber ich hatte das nicht in mir – oder sagen wir es so: Es gab in meinem Kopf kein Schrittmaterial, das zwingend den Weg auf die Bühne gesucht hätte. Umso mehr erfüllt mich meine Tätigkeit hier als Dramaturg und Co-Direktor Tanz. Ich bin zusammen mit Marcel verantwortlich für das Programm, verbringe viel Zeit bei den Proben, bringe meine Gedanken und Ideen in die Prozesse ein und bin intensiv in die Entstehung unserer Produktionen involviert, ohne die Tanzschritte dazu gestalten zu müssen.

Tanzt du eigentlich noch – oder ist dieses Kapitel für dich gänzlich abgeschlossen?

Ich liebe es, bei den Proben oder im Zuschauerraum zu sitzen und im Geiste mitzutanzen. Das reicht mir absolut. Die körperlichen Strapazen, die halt auch dazu gehören, habe ich definitiv hinter mir gelassen.