«Don Quichotte» | Von Wahrheit und Windmühlen

Benjamin Chamandy (Sancho), Camilla Lehmeier (Dulcinée) und Oliver Sailer (Don Quichotte) bei der Konzeptionsprobe. © Leon Arévalo Benjamin Chamandy (Sancho), Camilla Lehmeier (Dulcinée) und Oliver Sailer (Don Quichotte) bei der Konzeptionsprobe.

Mit Don Quichotte bringt das Tiroler Landestheater ab Juni eine der poetischsten Opern des französischen Repertoires in einer spartenübergreifenden Produktion von Musiktheater und Tanz auf die Bühne.

Basierend auf dem Roman von Miguel de Cervantes erzählt Jules Massenet die Geschichte eines Ritters, der unbeirrbar an eine bedeutungsvolle Welt glaubt; auch dann, wenn sie nur in seiner Vorstellung existiert. Begleitet von seinem treuen Diener Sancho zieht Don Quichotte aus, um im Namen seiner Angebeteten Dulcinée Abenteuer zu bestehen. Dabei scheitert er ebenso berührend wie groß. Dramaturgin Diana Merkel hat vor Probenbeginn mit den drei Protagonist:innen Oliver Sailer (Don Quichotte), Benjamin Chamandy (Sancho) und Camilla Lehmeier (Dulcinée) über ihre Rollen, das Leben im Ensemble und die besondere Herausforderung und den Reiz, diese vielschichtige Geschichte heute auf die Bühne zu bringen, gesprochen.

Die Proben beginnen bald, worauf freut ihr euch in dieser Produktion am meisten?

Camilla Lehmeier Besonders darauf, dass Tänzer:innen mitwirken. Wenn verschiedene Sparten zusammenkommen, entsteht sofort eine andere Energie. Das bringt Frische in den Raum und auch in einen selbst.

Oliver Sailer Mir geht es ähnlich. Man arbeitet monatelang allein, recherchiert, übersetzt, lernt Musik und Text. Irgendwann brodelt alles in einem. Dann endlich mit Kolleg:innen und dem Regie-Team daraus eine Figur entstehen zu lassen, das ist der schönste Moment.

Benjamin Chamandy Ich freue mich aufs gemeinsame Suchen und Finden. Gerade bei diesem Stück ist spannend, wie wir die Reise und die Abenteuer der beiden erzählen werden.

Genau diese Reise steht im Zentrum. Warum sollte man «Don Quichotte» nicht verpassen?

Benjamin Die Musik ist wunderschön und facettenreich. Die Geschichte kennen viele, aber sie live zu erleben, ist etwas ganz anderes.

Camilla Es ist eine hochromantische französische Oper voller wunderbarer Klänge und Melodien. Dazu kommt diese besondere Ästhetik; ich habe die Kostüme schon gesehen! Obwohl das Werk nicht so oft gespielt wird, ist es wirklich ein Juwel.

Oliver Mich berührt die Oper jedes Mal aufs Neue. Massenet erzählt diese Figur mit so viel Empathie, dass man unweigerlich über das eigene Leben nachdenkt.

«Obwohl das Werk nicht so oft gespielt wird, ist es wirklich ein Juwel.»

Apropos Figur: Don Quichotte gilt als Narr und Idealist zugleich. Wie nähert man sich so einer Rolle?

Oliver Ich musste erst verstehen, dass Don Quichotte keinen doppelten Boden hat. Er spricht nie mit Hintergedanken. Erst wenn man ihn völlig ehrlich spielt, kann das Publikum über ihn lachen und gleichzeitig mit ihm fühlen.

In Innsbruck ist dieser Don Quichotte zudem jünger als gewohnt …

Oliver Das eröffnet viele Möglichkeiten. Oft ist die Rolle mit einem bestimmten Bild verbunden. Ein jüngerer Don Quichotte erlaubt neue Perspektiven – szenisch wie musikalisch.

Und die Vorbereitung?

Oliver Intensiv. Ich beschäftige mich seit über einem Jahr mit der Partie. So eine Rolle muss stimmlich, sprachlich und körperlich wachsen.

An seiner Seite: Sancho: Diener, Freund, Realist … 

Benjamin Sancho bewundert Don Quichottes Mut, sieht aber auch, wenn er sich verrennt, etwa bei den Windmühlen. Er versucht, ihn in die Realität zurückzuholen. Gleichzeitig verbindet die beiden echte Freundschaft.

Hilft es auf der Bühne, dass ihr euch auch privat gut versteht?

Benjamin Absolut. Wenn man sich vertraut, spürt das auch das Publikum. Wir bauen uns gegenseitig auf und haben viel Spaß beim Spielen.

Und Dulcinée?Sie ist weit mehr als nur Objekt der Sehnsucht …

Camilla Für mich ist sie vor allem ehrlich. Sie spielt keine Spiele. Sie weiß genau, was sie fühlt und was nicht. Sie liebt ihre Freiheit, träumt aber trotzdem von echter, tiefer Liebe.

Wie bereitest du dich auf eine neue Rolle vor?

Camilla Zuerst prüfe ich natürlich die Partie: Liegt sie gut, passt sie zur Stimme? Dann kommt für mich das Wichtigste: die wortwörtliche Übersetzung. Erst wenn ich jedes Detail verstehe, beginnt die Figur zu leben. Und dann gehe ich ganz ohne starres Konzept bewusst offen in die Proben.

FRAGEN Diana Merkel