Wozu das Theater?

Neu befragte Klassiker und brandaktuelle Werke über die bestimmenden Themen unserer Zeit stehen im Zentrum der vierten Spielzeit von Intendantin Irene Girkinger und ihrem künstlerischen Team, die heute im Haus der Musik Innsbruck präsentiert wurde. Gerade in herausfordernden Zeiten brauche es Kunst, Kultur und speziell das Theater mehr denn je als Ort der Begegnung, der Selbstreflexion und nicht zuletzt der Zuversicht. OPTIMISMUT sei daher das Gebot der Stunde, so Girkinger. Nach der vielfotografierten HERZHALTESTELLE wird diese Wortkreation in der kommenden Spielzeit die Fassade des Tiroler Landestheaters zieren.
Wozu das Theater? Diese zentrale Fragestellung markiert den Auftakt zur Spielzeit 26/27, die heute von der Geschäftsführenden Intendantin Irene Girkinger und dem Geschäftsführenden Kaufmännischen Direktor Dr. Markus Lutz gemeinsam mit dem künstlerischen Leitungsteam aller Sparten sowie dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck und dem Haus der Musik Innsbruck präsentiert wurde.
Mit 39 Produktionen zeigt die neue Saison am Tiroler Landestheater, warum Theater unverzichtbar ist: als öffentlicher Denkraum und lebendiger Herzschlag dieser Stadt und Region. Weil Menschen einander brauchen – im Austausch, beim Diskutieren, im gemeinsamen Staunen und Lachen.
„Unser bewusst doppeldeutiges, höchst existenzielles wie ironisch selbstkritisches Spielzeitmotto stellt die grundlegende Relevanz und Verantwortung unserer Kunst und Arbeit zur Diskussion“, betonte Intendantin Irene Girkinger. Gerade jetzt gelte es, einer zunehmend unruhigen und beunruhigenden Zeit etwas entgegenzuhalten: gemeinsame Theater- und Konzertabende, in denen wir uns als mitfühlende Menschen begreifen und Gemeinschaft erleben können.
„Mit Optimismut – Optimismus und Mut – treten wir dem Missmut entgegen, mit Zuversicht, Verantwortung und neuen Perspektiven stellen wir uns Unsicherheit, Polarisierung und Resignation. Unser Angebot reicht von großen Klassikern der Theater-, Opern- und Orchesterliteratur wie Schiller, Schnitzler, Brecht, Mozart, Beethoven, Bizet und Wagner,packenden Stücken zu brennenden Themen unserer Zeit bis hin zu spannenden Erst- und Uraufführungen – ob nun im Musiktheater mit Codeborn, im Tanz mit Bodies, Troublemakers und Gold, im Jungen Theater mit Platsch!, Die Bademattenrepublik und Faust 1+2+3 oder im Schauspiel, wo wir mit Brechen wir aus! Das Theaterstück die ergreifende Fluchtgeschichte Leokadia Justmans nun als abendfüllendes Stück auf die Bühne bringen werden.“

„Das Tiroler Landestheater steht weiterhin für Vielfalt, Offenheit, gesellschaftspolitische Relevanz und Bezug zur Gegenwart“, so Girkinger. Mit 5 Uraufführungen und 4 österreichischen Erstaufführungen sind fast ein Drittel der Produktionen der Zeitgenossenschaft gewidmet, es stehen aber auch zahlreiche Klassiker sowie Meisterwerke der Moderne am Programm. Inhaltliche Schwerpunkte wie österreichische Literatur, slawisches Musikrepertoire, zeitgeschichtliche Themen mit Tirol-Bezug, neue innovative Theaterformen und spartenübergreifende Produktionen sowie die Förderung junger Talente werden auch in der vierten Spielzeit konsequent fortgeführt.
Der Geschäftsführende Kaufmännische Direktor Dr. Markus Lutz informierte über Neuerungen im Abosystem und im bestehenden Kundenbindungsprogramm LEOPOLD. Mit einem flexiblen Wahl-Abo und dem günstigen Abo Jung will man gezielt neue Publikumsschichten für den regelmäßigen Theaterbesuch begeistern. Die ebenfalls neu eingeführte LEOPOLD-Premium-Mitgliedschaft belohnt indes spontane Vielgeher:innen mit Rabatten und Zusatzvorteilen; reguläre Abonnent:innen erhalten sie kostenlos dazu.
„Unser erklärtes Ziel ist es, neue Besucher:innen mit attraktiven Angeboten als dauerhafte Kund:innen zu gewinnen und zugleich unser treues Stammpublikum noch enger an das Haus zu binden. Deshalb schaffen wir ein abgestuftes Modell mit unterschiedlichen Preisvorteilen und Flexibilitätsgraden, das vom gelegentlichen Theaterbesuch bis hin zum regelmäßigen, intensiven Kulturerlebnis reicht,“ unterstreicht Lutz.
Auf vielfachen Publikumswunsch wurden auch einzelne Beginnzeiten angepasst: Die Symphoniekonzerte starten ab der Spielzeit 26/27 nun um 19.30 Uhr statt wie bisher um 20.00 Uhr. Auch einige Sonntagsvorstellungen im Großen Haus finden eine Stunde früher um 18.00 Uhr bzw. in den Kammerspielen um 18.30 Uhr statt.

Tirols Landeshauptmann Anton Mattle und Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber konnten der Spielzeitpräsentation aufgrund dringlicher Termine nicht persönlich beiwohnen, unterstreichen in ihren Statements jedoch die Bedeutung des größten Kulturbetriebes des Landes.
Landeshauptmann Anton Mattle:
„Die kommende Saison im Tiroler Landestheater zeugt einmal mehr von der enormen Vielfalt und Breite an Themen und künstlerischen Zugängen. Ganz klar wird – hier ist für jede und jeden etwas dabei! Gerade in unseren herausfordernden Zeiten ist das Theater ein wunderbarer Ort der Begegnung. Hier können wir uns vertiefen, uns in einem produktiven Sinn ablenken lassen und neue spannende Perspektiven gewinnen.“
Bürgermeister Johannes Anzengruber:
„Die kommende Saison im Tiroler Landestheater begeistert mit starken Stoffen im Musiktheater wie im Schauspiel, der Tanz ist betont zeitgenössisch, das Junge Theater frisch, das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck eine Klasse für sich. Kurzum: die neue Saison bietet ein Angebot, das wirklich alle anspricht. Und flexible Theater-Pakete und angepasste Beginnzeiten locken abermals neue Publikumsschichten ins Theater.“

MUSIKTHEATER / Zwischen Verführung und Transzendenz
Im ersten Musiktheater-Programm der beiden neuen Co-Direktorinnen Jeannine Grüneis und Julia Spinola stehen zwei archetypische Verführer:innen im Zentrum:
In Mozarts Meisterwerk Don Giovanni erfährt der Mythos des Don Juan eine musikalisch bahnbrechende Zuspitzung. Die für ihre bildstarken, atmosphärisch verdichteten Theaterabende bekannte Regisseurin Anna-Sophie Mahler wird in ihrer ersten Inszenierung am TLT einen unverklärten, weiblich geschärften Blick auf den notorischen „Frauenverschlinger“ werfen. Chefdirigent Gerrit Prießnitz wird Mozarts Partitur zum Leben erwecken, in der Partie des Don Giovanni ist Ensemblemitglied Jacob Phillips erstmals in dieser Rolle zu erleben.
Bizets unsterblicher Carmen widmet sich der für seine politisch pointierten und erzählerisch direkten Inszenierungen geschätzte Regisseur und designierte Intendant des Theaters Bremen, Armin Petras. In seiner ersten Regiearbeit am TLT entdeckt er Carmens revolutionäres Potenzial. Nach ihren Rollen als Komponist (Ariadne auf Naxos), Dulcinée (Don Quichotte)und Idamante (Idomeneo) gibt Ensemblemitglied Camilla Lehmeier mit der Titelpartie ihr Rollendebüt.
Jasmina Hadžiahmetović wird die Saison mit Verdis raffiniert zwischen Eifersuchtsdrama und Politthriller changierender Oper Un ballo in maschera eröffnen. Als renommierter Gastdirigent konnte der derzeitige Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover Stephan Zilias gewonnen werden. Zudem wendet sich Jasmina Hadžiahmetović erstmalig dem Werk Richard Wagners zu und wird mit dem rätselhaften Schwanenritter Lohengrin nach der Bedeutung von Metaphysik und Spiritualität für eine von Kriegen gezeichnete Gegenwart fragen. Die musikalische Leitung dieser großen romantischen Oper liegt in den Händen von TLT-Chefdirigent Gerrit Prießnitz. Als Gäste am Haus begrüßen wir mit Mojca Erdmann als Elsa, Tomislav Mužek als Lohengrin und Tommi Hakala als Telramund herausragende Wagner-Sänger:innen.
Charleston, Foxtrott, kosmopolitische Klangfarben und sinfonischer Glanz verbinden sich in Paul Abrahams Ball im Savoy zu einer der schmissigsten und mitreißendsten Revueoperetten der frühen 1930er Jahre. Die Nationalsozialisten erkannten darin alles wieder, was sie hassten: Jazz, subversiven Witz, Sex, Libertinage – komponiert noch dazu von einem jüdisch-ungarischen Komponisten, der kurz nach der Uraufführung ins Exil gejagt wurde. Erstmals am TLT inszeniert der fünfmalige Preisträger des begehrten BR-Operettenfroschs Christian von Götz.
Als beliebte Familienoper zur Weihnachtszeit steht Humperdincks berühmtes Märchenspiel Hänsel und Gretel auf dem Spielplan. Die aus Hall stammende junge Regisseurin Nada Zimmermann, die im vergangenen Jahr bereits sehr erfolgreich die Kinderoper bei den Bayreuther Festspielen inszenierte, präsentiert sich mit dieser Produktion zum ersten Mal in ihrer Heimat. In den Titelpartien debütieren unsere Ensemblemitglieder Anastasia Lerman (Gretel) und Bernarda Klinar (Hänsel).
In den Kammerspielen ist mit Codeborn das erste Musiktheaterwerk der jungen gefragten Komponistin Zara Ali in österreichischer Erstaufführung zu sehen. Die erstmalige Koproduktion mit der Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater, der Bayerischen Staatsoper und den Klangspuren Schwaz wird von Florentine Klepper inszeniert; die Ausstattung stammt von dem gebürtigen Innsbrucker Wolfgang Menardi. Die musikalische Leitung übernimmt Hansjörg Sofka. Das Werk wurde in den vergangenen Wochen bereits am TLT erarbeitet und kommt am 8. Mai in der Muffathalle München zur Uraufführung.
Das Theaterstück mit Musik Spatz und Engel von Daniel Große Boymann und Thomas Kahry handelt von der legendären Freundschaft zwischen den Chansonnièren Edith Piaf und Marlene Dietrich. Regisseurin Susi Weber knüpft hier gemeinsam mit Hansjörg Sofka als musikalischem Leiter an den Zarah Leander gewidmeten Abend Zarah 47 – Das totale Lied aus dieser Saison an, der aufgrund der hohen Nachfrage wiederaufgenommen wird. Ebenfalls wiederaufgenommen werden Massenets Comédie-héroïque Don Quichotte in der Regie von Julia Burbach sowie die vom Publikum allabendlich gefeierte Erfolgsproduktion The Rocky Horror Show von Richard O’Brien mit Philipp Moschitz als unverschämt charismatischem Frank‘n‘Furter.

SCHAUSPIEL / Zwischen Macht und Ökonomie
Gewichtige Stoffe und starke Figuren prägen das Schauspiel der kommenden Saison. Die Co-Direktorinnen Elisabeth Schack und Bettina Bruinier bringen es auf den Punkt: „Drama ist unsere Kernkompetenz, und das Theater ist der Ort, genau hinzuschauen – mit unserem Spielplan, unserer Auswahl von Stücken, Stoffen, Autor:innen und Regieteams widmen wir uns den zentralen Fragen unserer Zeit.“
In Schillers Maria Stuart verdichten sich Machtkampf, politische Rivalität und das Ringen um die Gunst in der Öffentlichkeit zu einem Finale, bei dem es keine Siegerinnen gibt.
Regie führt Co-Direktorin Bettina Bruinier, die sich einem ihrer persönlichen Lieblingsklassiker widmet und ein starkes weibliches Team hinter und auf der Bühne versammelt.
Während in Maria Stuartum die Königinnenposition gestritten wird, wirft Peter Jordans irrwitzige Komödie Marie Antoinette oder Kuchen für alle! einen humorvoll zugespitzten Blick auf das Leben des wohl berühmtesten französischen Königspaars, das in einer alternativen Geschichtsschreibung noch immer auf seinen Tod durch die Guillotine wartet – zwischen drohendem Bedeutungsverlust und grotesken Versuchen, sich ins Gedächtnis zurückzurufen. Die Inszenierung der österreichischen Erstaufführung liegt in den Händen von Alexander Pschill und Kaja Dymnicki, den Mitbegründer:innen des bekannten Wiener Off-Theaters Bronski & Grünberg.
In Ahnfrauen widmet sich das österreichische Theaterkollektiv „Die Rabtaldirndln“ weiblichen Lebensrealitäten und Rollenbildern und befragt seine Mütter ohne Scham und Tabu – denn beginnt nicht alles mit unseren Müttern? Die Produktion, die mit dem Nestroy-Theaterpreis für die beste Off-Produktion ausgezeichnet wurde, blickt dabei überaus humorvoll auf eine patriarchal geprägte Gesellschaft.
Mit dem mehrfach preisgekrönten Monolog von Suzie Miller, Prima Facie, bespielt das TLT außerdem den Schwurgerichtssaal am Landesgericht Innsbruck. In einem realen Setting gibt das Erfolgsstück der Erfahrung einer Anwältin von sexualisierter Gewalt und der Frage nach Gerechtigkeit eine eindringliche Stimme und verschafft damit Millionen von Frauen weltweit Gehör.
Auch Unter Tieren, das jüngste Werk der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, richtet den Blick auf gesellschaftliche und ökonomische Verwerfungen und verfolgt mit wachsendem Sarkasmus das menschliche Handeln im Kapitalismus. Ein Tiroler Regieteam bringt den Text auf die Bühne der Kammerspiele: Die Hip-Hop- und Mundart-Formation „Von Seiten der Gemeinde“ konnte erstmalig für eine Theaterproduktion gewonnen werden. Der junge aufstrebende Tiroler Regisseur Peter Lorenz und die Künstlerin und Aktivistin Katharina Cibulka graben sich gemeinsam durch internationale Schuldenberge.
In Arthur Schnitzlers Tragikomödie Das weite Land legen Eitelkeiten und Machtspiele die Abgründe menschlicher Beziehungen frei. Regisseurin Cilli Drexel arbeitet mit ihrer präzisen und feinfühligen Handschrift die (Un)-Tiefen dieser brüchigen Weiten-Land-Gesellschaft heraus.
Mit Ein gefräßiger Schatten überlässt der erfolgreiche argentinische Autor und Regisseur Mariano Pensotti erstmals einen seiner Texte einem anderen Theatermacher. Jonas Knecht, der mit Prosa für Elisabeth in der Spielzeit 24/25 am TLT begeisterte, ist ein ausgewiesener Spezialist für rhythmisch-musikalische Sprachspiele und entwickelt für den energetischen Text ein eigenständiges Bühnenkonzept mit besonderem Setting.
Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper widmet sich dem zeitlosen Topos von ökonomischer Abhängigkeit und wachsender sozialer Ungleichheit. Das Schauspiel- und Musiktheaterensemble des TLT singt und spielt dieses bösartige wie eingängige Werk unter der Regie von Co-Direktorin Bettina Bruinier und der musikalischen Leitung von Hansjörg Sofka in einer aktuellen Lesart – mit viel Zündstoff und einem prägenden Soundtrack.
Die Dramatisierung der Überlebensgeschichte und undercover-Heldinnenreise der polnischen Jüdin Leokadia Justman lässt uns in Hinblick auf Demokratie und Menschenrechte gerade wieder den Atem anhalten. Anita Augustin, Michaela Senn und Eleni Palles, das Team hinter der Uraufführung von Brechen wir aus! Das Theaterstück, erzählen die unglaubliche und brutale Nazi-Verfolgung als sensationelles und berührendes Bühnenabenteuer, das vor allem in Innsbruck spielt.

TANZ / Von Sein und Schein
„Sein und Schein“ – dieses Motto zieht sich durch das Programm der Sparte Tanz, für das die beiden Co-Direktoren Stefan Späti und Marcel Leemann verantwortlich zeichnen.
Den Auftakt bildet Bodies, ein Doppelabend, der sich dem Körper widmet – denn was ist im Tanz naheliegender als eine Auseinandersetzung mit dem Körper, von außen und von innen? Mit Caroline Finn und Marcel Leemann treffen dabei zwei renommierte Choreograf:innen aufeinander. Caroline Finn legt in ihrer Neukreation Over my Dead Body den Fokus auf das Innenleben und den Umgang mit dem Körper nach dem Tod. Marcel Leemanns Stück Meat Market beleuchtet den Körper als Marketinginstrument und stellt Fragen nach Selbstinszenierung, Sichtbarkeit und gesellschaftlichen Erwartungen. Bodiesverspricht eine bildstarke, dynamische und tänzerisch zeitgenössische Reise.
In den Kammerspielen gelangt mit Troublemakers eine Arbeit des brasilianischen Choreografen Lucas Valente zur Uraufführung, die sich mit dem Thema ADHS und dessen Auswirkungen auf betroffene Menschen und ihr Umfeld auseinandersetzt. Mit den Mitteln des tänzerischen Storytellings nähert er sich diesem Thema mit Feingefühl und erforscht anhand von Bewegung und körperlichem Ausdruck unterschiedliche Formen der Wahrnehmung.
Der zweite Tanzabend im Großen Haus reiht sich ein in die Neuausrichtung von Ballettklassikern im zeitgenössischen Gewand. Mit Der Feuervogel und Petruschka von Igor Strawinsky steht nach Sergej Prokofjews Romeo & Julia sowie Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Schwanensee erneut Musik eines prägenden Komponisten des slawischen Repertoires auf dem Tanz-Spielplan. Die renommierte kroatische Gastchoreografin Maša Kolar legt den Fokus auf eine eigene Interpretation der beiden Stücke, die sowohl märchenhaft-mystische wie auch aktuelle gesellschaftliche Themen in den Vordergrund stellt.
Den Abschluss bildet dann die Neukreation Gold in den Kammerspielen. Zum Album Fragmente des vielseitigen österreichischen Komponisten und Musikers Matthias Jakisic wagt Marcel Leemann einen scharfen Blick hinter glänzende Fassaden und begibt sich gemeinsam mit dem Tanzensemble auf die Suche nach dem, was zum Vorschein kommt, wenn schützende Masken fallen.

Junges Theater / Vielfalt und spartenübergreifende Produktionen
Für jede Altersgruppe ein eigenes Angebot zu entwickeln – dieser Herausforderung stellten sich Uschi Oberleiter und Laura Nöbauer mit dem Jungen Theater auch in der Spielzeit 26/27. „Kindergartenkinder ticken anders als Volksschüler:innen, Teenies anders als Studierende – aber alle sind sie jung und wünschen sich auch ein Junges Theater“, betonen die beiden.
Die Familienstücke, die ab Mitte November jedes Jahr in den Kammerspielen gespielt werden, zeigen sehr gut, wie generationenübergreifend Junges Theater funktioniert. Dieses Jahr mit einem Klassiker, der seit Jahrzehnten Groß wie Klein entzückt: Das doppelte Lottchen von Erich Kästner. Eine hinreißende Geschichte über zwei starke Mädchen!
Mit starken Kindern geht es dann auch im Frühling weiter – in Die Bademattenrepublik, einem mobilen Stück für Volksschulen in ganz Tirol, gründen Kinder einen eigenen Staat und erleben, was eine Demokratie eigentlich ausmacht.
Die Bandbreite eines Theaterbetriebs ist vielfältig – umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit mit den anderen Sparten, die das Junge Theater maßgeblich unterstützen: Mit Hänsel und Gretel entsteht gemeinsam mit dem Musiktheater eine spartenübergreifende Familienoper im Großen Haus.
In Kooperation mit dem Schauspiel ist in den Kammerspielen mit Faust 1 + 2 + 3 von Felix Krakau eine Produktion für Jugendliche sowie junge und erwachsene Zuschauer:innen geplant. Regie führt Sergej Gössner, ehemaliges Ensemblemitglied am TLT, der sich inzwischen auch als erfolgreicher Dramatiker für junges Publikum etabliert hat und dessen Stück Irreparabel in der aktuellen Spielzeit als Gastspiel am Haus zu sehen war. Mit dieser komprimierten Fassung nehmen sich Autor und Regisseur nichts weniger als den Klassiker aller Klassiker vor.
Auch im Tanzbereich entsteht eine neue Zusammenarbeit. Gemeinsam mit dem Osterfestival entsteht mit Platsch! erstmalig eine Tanzperformance für Kinder ab 6 Jahren, die sich dem Thema Mut und Mutproben widmet und zunächst im Rahmen des Festivals sowie anschließend im [K2] gezeigt wird.
Wiederaufgenommen werden die überaus erfolgreichen Produktionen für unser jüngstes Publikum Klangspiel: Im Garten und Klangspiel: Im Winter.

Tiroler Symphonieorchester Innsbruck / Von Beethoven bis Widmann
Ein breit gefächertes Konzertprogramm von Beethoven über romantische Klassiker bis zur eindrucksvollen Moderne prägt die Saison 26/27 des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck. Orchesterdirektorin Susanne Fohr stellte die Schwerpunkte vor.
Zentrale Akzente setzen starke sinfonische Werke des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter Antonín Dvořáks 7. Sinfonie, Robert Schumanns Frühlingssinfonie, Dmitri Schostakowitschs 5. Sinfonie sowie Anton Bruckners monumentale 8. Sinfonie. Mit Gustav Mahlers Das Lied von der Erde steht zudem eines seiner eindrucksvollsten und persönlichsten Werke auf dem Programm, das vor 50 Jahren zuletzt vom TSOI aufgeführt wurde.
Im Beethoven-Jubiläumsjahr 2027 ist der Komponist mit drei zentralen Werken vertreten: dem Violinkonzert, der 7. Sinfonie und dem 4. Klavierkonzert. Mit Vadim Gluzman und Elisabeth Leonskaja – der Grande Dame unter den Pianist:innen – stehen dafür zwei herausragende Solist:innen auf der Bühne.
Kompositionen von ArnoldSchönberg, SofiaGubaidulina und JörgWidmann bringen neue Klangfarben in die Saison. Französische Musik von Maurice Ravel und Claude Debussy sorgt für atmosphärische Momente, ergänzt durch Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung in Ravels berühmter Orchestrierung, dirigiert von der Französin Ariane Matiakh.
Neben Konzertchef Ainārs Rubiķisund TLT‑Chefdirigent Gerrit Prießnitz, der unter anderem das Neujahrskonzert 2027 sowie die Produktionen Don Giovanni und Lohengrin musikalisch leiten wird, prägen auch zwei international erfolgreiche Gäste die Saison: Antony Hermus, bekannt für seine kraftvollen Bruckner-Interpretationen, und Anna Skryleva, die mit Werken der Moderne besondere Akzente setzt.
Solistische Höhepunkte setzen unter anderem die letztjährige Opus-Klassik-Preisträgerin Asya Fateyeva mit Debussys Rhapsodie für Altsaxophon, die Tiroler Flötistin Daniela Koch sowie Konrad Zeller, Solo-Oboist des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck.
Die Kooperation mit den Klangspuren Schwaz, dem Tiroler Festival für Neue Musik und den Innsbrucker Promenadenkonzerten wird fortgesetzt. Erstmals kommt es zudem zu einer Zusammenarbeit mit dem Universitätschor Mozarteum Salzburg bei Giuseppe Verdis Messa da Requiem.

Haus der Musik Innsbruck / Von Beethoven bis Pirchner
Mit einem augenzwinkernden Blick auf das Beethoven-Jubiläum führte HDM-Direktor Wolfgang Laubichler in die HDM-Konzertreihen der anstehenden Saison ein: „Mit Jubiläen ist es so eine Sache. Braucht man sie wirklich, um jemanden zu feiern? Bei uns gab es bislang noch keine Saison, in der wir nichts von Beethoven aufgeführt hätten. Aber unabhängig davon, wie unsere Antwort auf die oben gestellte Frage ausfällt, wird man in dieser Spielzeit jedenfalls mehr Beethoven in unseren Konzertreihen hören als sonst.“
Ziel ist es, die anhaltende Aktualität seiner Musik hörbar zu machen. Seine symphonischen Werke übersteigen zwar die akustischen Möglichkeiten des Großen Saales, dennoch steht die 9. Symphonie auf dem Programm – in einer Fassung für zwei Klaviere von Franz Liszt.
Darüber hinaus lädt ein Streifzug durch Beethovens Kammermusik ein. Dabei darf ein Variationswerk eigentlich nicht fehlen – und fehlt doch, zumindest auf den ersten Blick: Statt eines Werkes von Beethoven rücken Frederic Rzewskis Klaviervariationen über ein chilenisches Protestlied ins Zentrum eines Konzerts. Das Werk gilt als Meilenstein der Klavierliteratur und wird von Michael Schöch interpretiert, ergänzt durch Lieder des Widerstands, die der Chor Stimmsalz auf die Bühne bringt.
In den Academie-Konzerten widmen sich bekannte Szenevertreter:innen der historischen Aufführungspraxis. Ein besonderer Höhepunkt ist das Weihnachtskonzert mit Elisa Citterio und dem TSOI, in dem zwei barocke Weihnachtskonzerte italienischer Komponisten erklingen. Zudem ist erneut ein Preisträger des Busoni-Wettbewerbs zu erleben, bei dem Beethoven ebenso vertreten ist wie Robert Schumann.
Auch die überaus beliebten Jazzkonzerte setzen markante Akzente: Neben einem Wiedersehen mit Fred Hersch wird das Jazz Orchester Tirol Werner Pirchners erste LP Ein halbes Doppelalbum in neuen lebendigen Arrangements zur Aufführung bringen.

Zugabe: Theater- und Musikvermittlung
Die Sparte Zugabe: Theater- und Musikvermittlung steht für Offenheit, Vielfalt und neue Perspektiven auf Kunst und Kultur. Leiterin Martina Natter versteht sich dabei als Gastgeberin für inspirierende Begegnungen zwischen Künstler:innen und Publikum.
„In der Musik- und Theatervermittlung blicken wir bewusst über den klassischen Tellerrand hinaus und beschreiten mit unseren innovativen Konzertformaten immer wieder neue Wege: Wir bespielen außergewöhnliche Orte jenseits des traditionellen Konzertsaals und suchen die kreative Verbindung mit Künstler:innen unterschiedlichster Genres“, erklärt Martina Natter.
Bereits zum fünften Mal treffen beispielsweise prägende Stimmen der höchst aktiven Tiroler Poetryslam-Szene auf das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck und gestalten gemeinsam ein eindrucksvolles Fest aus Musik und Sprache – diesmal mit einer Symphonie von Ludwig van Beethoven im Zentrum.
Das äußerst erfolgreiche und für beide Seiten gleichermaßen inspirierende Konzertformat Von Beethoven bis Beatbox mit den beiden jungen Beatboxern Samuel Plieger und Paul Pichler wird aufgrund der überaus positiven Resonanz im vergangenen Herbst in der kommenden Spielzeit wieder aufgenommen – diesmal auf der Bühne des Großen Hauses. Darüber hinaus wird das Große Haus erneut für Ein weihnachtlichesMitsingkonzert geöffnet, bei dem Singbegeisterte gemeinsam mit dem Orchester und dem Opernchor unter der Leitung von Howard Arman ein stimmungsvolles weihnachtliches Programm gestalten.
Das Vermittlungsprogramm richtet sich an Menschen jeden Alters: Für die jüngsten Besucher:innen und Familien bleibt die beliebte Klangwerkstatt ein fixer Bestandteil. Im Familien- und Schulkonzert begibt sich Detektiv Agitato auf geheime Mission und löst gemeinsam mit den Kindern einen spannenden Fall.
Auch für Bewohner:innen von Senioreneinrichtungen wird das Angebot fortgeführt und bringt mit der Serenade in kammermusikalischer Besetzung Musik in vertraute Lebensräume.
Die Theaterpädagogik widmet sich in einer intensiven Zusammenarbeit mit mehreren Schulen dem Thema „Wunder“.
sechs Gastspiele
Ergänzt wird die Spielzeit durch eine Reihe von Gastspielen, die unterschiedliche künstlerische Handschriften und Formate ans Haus bringen.
Dazu zählen die Lesung Hallo, hier spricht Nawalny – Briefe eines freien Menschen mit Katja Kolm und Michael Maertens, ein musikalischer Abend mit Anna Mabo & Die Buben sowie dem Inn.Wien Ensemble und das dokumentarische Figurentheater F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig von Simon Meusburger und Nikolaus Habjan;
außerdem die beiden Konzerte Bond in Concert mit Maya Hakvoort, Monika Ballwein und Sandra Pires sowieDie schöne Müllerin mit der Musicbanda Franui und Florian Boesch. Auch Philipp Hochmair kehrt ans Haus zurück, diesmal mit Jedermann Reloaded.
TATÄÄ! – unser auftakt in die vierte Saison
Am 20. September heißt es dann wieder: TATÄÄ! – unser beliebtes Fest am Platz für die ganze Familie lädt zum Start in die neue Saison ein. Unter dem Motto Treffen wir uns bei den Tönen öffnen das Tiroler Landestheater und das Haus der Musik Innsbruck ihre Türen, Bühnen und verborgenen Ecken sowie den Theatervorplatz und machen die Vielfalt der Künste mit einem bunten Programm für Groß und Klein erlebbar.


