
Ein gefräßiger Schatten
Schauspiel von Mariano Pensotti
Inhalt
Zwei Männer, zwei Krisen, ein Berg. Der international erfolgreiche argentinische Autor Mariano Pensotti verschränkt die Geschichten eines Bergsteigers und eines Schauspielers zu zwei psychologischen Selbsterkundungen, in denen er Lebensentwürfe, Prägungen, Zweifel und unerfüllte Erwartungen mit unverwechselbarer Originalität aufeinanderprallen lässt.
Kurz vor Ende seiner Laufbahn bricht ein Bergsteiger zu einer Expedition auf jenen Gipfel auf, bei dessen Besteigung sein Vater, ein gefeierter Alpinist, vor 30 Jahren verschwand – ein Verschwinden, das nie vollständig aufgeklärt wurde. Er folgt den Spuren der Vergangenheit, getragen von Zeichen und Zufällen, vielleicht auch von der Sehnsucht nach einem Leben, das endlich ihm selbst gehört. Parallel dazu bereitet sich ein Schauspieler auf eine neue Rolle vor: Er soll eben diesen Bergsteiger in einem Film über die Besteigung verkörpern. Während er mit der neuen Herausforderung ringt, zwingt ihn eine Krankheit, sich mit grundlegenden Lebensfragen zu konfrontieren – nach Verantwortung in einer sich wandelnden Welt, nach seiner Rolle als Vater und als Sohn.
Ihre Geschichten verschränken sich an einem Kipppunkt, an dem Wahrheit und Erfindung nicht mehr klar zu trennen sind. Während der eine versucht, das Schweigen des Vaters zu durchbrechen, kämpft der andere mit der Frage, wer er jenseits der von ihm dargestellten Figuren noch sein kann. Wie ein schmelzender Gletscher legt diese Begegnung Schicht um Schicht frei: verdrängte Erinnerungen, ungelöste Verluste, alte Körper im Eis der Vergangenheit. Der Berg wird zum Resonanzraum für Projektionen, Schuld und Hoffnung – ein gefräßiger Schatten, der alles verschluckt, was ungeklärt bleibt.


