«Maria Stuart» | Ein mörderischer Politthriller

Verkörpern die rivalisierenden Königinnen: Marion Reiser (Elisabeth I.) & Sara Nunius (Maria Stuart) © Cordula Treml Verkörpern die rivalisierenden Königinnen: Marion Reiser (Elisabeth I.) & Sara Nunius (Maria Stuart)

Maria Stuart gegen Elisabeth I. Ein fesselndes Duell um die Macht und den Preis der Freiheit.

«Aber Königin, erwäge –», ergreift der Berater Burleigh das Wort gegenüber Königin Elisabeth. Doch eben dieses Zaudern ist ihr politisches Kalkül. Sie sträubt sich davor, das Todesurteil ihrer Verwandten Maria Stuart zu unterschreiben, und lässt den Großschatzmeister Burleigh nahezu verzweifeln.

19 Jahre sind vergangen, seit Maria Stuart 1568 hilfesuchend nach England in die Arme ihrer englischen Verwandten geflohen und seither dort festgesetzt ist. Die Schottin wird verdächtigt, am Mord ihres eigenen Ehemannes beteiligt gewesen zu sein. Aus ihrer Kerkerhaft heraus soll sie zudem Intrigen gegen Elisabeth gesponnen haben. Doch obwohl vom Gericht bereits zum Tode verurteilt, kann nur eine Ebenbürtige allein noch Gnade walten lassen – oder das Urteil unterschreiben …

Das Trauerspiel, das Friedrich Schiller über 200 Jahre später zu den historischen Persönlichkeiten verfasst, konzentriert sich auf die letzten drei Tage vor der Hinrichtung der schottischen Königin. Obwohl Schillers Drama im 16. Jahrhundert spielt, spiegelt es auch seine Gegenwart wider: 1793 werden Ludwig XVI. und Marie-Antoinette durch die Guillotine getötet. Durch das Aufeinanderprallen zweier Herrschaftsformen und -ansprüche verdeutlicht Schiller die dramatische Tragweite, wenn Politik mit Privat-Persönlichem vermengt wird – egal in welchem Jahrhundert.

Die Inszenierung von Schauspiel-Co-Direktorin Bettina Bruinier lotet in diesem packenden Thriller aus, wie erschreckend modern die Mechanismen von politischer Paranoia und moralischer Erpressung geblieben sind. Ein Netz von Intrigen und Maskeraden. Die Kulissen mögen sich ändern, die Spiele um die Macht bleiben.

TEXT Sonja Honold