«Un ballo in maschera» Bühnenbildner Jan Freese im Gespräch

10.9.2026 / blogartikel
Bühnenbildner Jan Freese © Leon Arèvalo Bühnenbildner Jan Freese

Die Erzählung in «Un ballo in maschera» basiert auf einem realen, historischen Ereignis: dem Attentat des Adligen Jacob Johan Anckarström auf den schwedischen König Gustav III. im Jahr 1792 …

Jan Freese: Diese herrlich dramatische Szene stand natürlich am Beginn unserer Recherche: Ein Abend in der Stockholmer Oper, ein Ballsaal voller Gäste, eine Gruppe maskierter Verschwörer. Sie umringen den Monarchen. Es löst sich ein Schuss, und Gustav bricht an dem Ort, den er selbst gegründet hat, zusammen.

Uns interessieren vor allem die Hintergründe dieser Tat, die innenpolitischen Zwänge, in denen Gustav, der als aufgeklärter Monarch galt, agieren musste, und natürlich die Motive seiner Gegner, im Schatten der Französischen Revolution. Auch Verdi als sehr politisch denkender Künstler interessierte sich beim Schreiben der Oper nicht nur für die Dramatik der Geschehnisse, sondern auch für das Geflecht der beteiligten Figuren, was ihm bekanntlich einigen Ärger einbrachte.

Theater ist aber kein Seminar in Geschichte. Wir interpretieren aus heutiger Sicht und haben das Privileg, das Handeln der Figuren aus unserer Perspektive zu erzählen.

Was war dein erster gedanklicher oder visueller Impuls? Gab es ein Bild, ein Kunstwerk oder ein Detail im Stück, das dich im Herstellen deiner Entwürfe besonders inspiriert hat?

Gustav III. ist ein sehr kultivierter und kunstinteressierter Mann. Er genießt die Freiheit, sich seinen Interessen und Lüsten ausgiebig hinzugeben. Auch diesen Aspekt wollen wir sichtbar machen. Auch gilt er als verborgen homosexuell. Im Bühnenbild werden wir einen sehr lasziven plastischen Männerakt sehen, quasi als Teil einer Figurengalerie.

Maskierung und Identitätsverschiebung sind zentrale Motive der Oper. Wie spiegelt sich dieses Spiel mit Verbergen und Enthüllen im Raumkonzept wider?

Wir haben uns für ein Drehbühnenprinzip entschieden. Das ermöglicht uns sinnbildlich, auch die Rückseite des Palastes zu sehen und die dunklen Ecken der Macht zu beleuchten. Die Räume verändern sich offen vor unseren Augen. Die räumlichen Veränderungen spiegeln diese inhaltlichen Verschiebungen.

Was wünschst du dir, dass das Publikum empfindet, wenn sich der Vorhang hebt?

Das Publikum ist sozusagen der vierte Mitspieler. Jeder hat seine eigenen Bilder im Kopf, bevor sich der Vorhang hebt. Und natürlich besteht so ein Abend aus vielen bewusst getroffenen Entscheidungen. Als Bühnenbildner treffe ich diese lange vor Probenbeginn. Dabei hoffe ich sehr, dass unser Bilderreigen dazu beiträgt, eine spannende, dichte und höchst tragische Geschichte zu erzählen.

Welche Materialien verwendest du in deinem Bühnenbild, wie arbeitest du mit ihnen und welche Funktionen haben sie?

Ich achte sehr darauf, dass Wandoberflächen und Materialien nicht nur illusionistisch für den Blick aus dem Saal funktionieren, sondern in erster Linie für die Darsteller:innen auf der Bühne. Eine Wand, ein Tisch oder ein Stuhl muss auch im Arbeitslicht auf der Bühne gut aussehen und eine bestimmte Funktion erfüllen. Das Bühnenbild dient zunächst einmal dem Spiel. Ich benutze oft Stahl und Holz als das, was sie sind, als «echte Materialien» in ihrer rohen Schönheit.

Wir hatten kürzlich Bauprobe …

Bauproben machen unglaublich Spaß, da man zum ersten Mal die Dimension des Entwurfes vom kleinen Modell 1:1 auf die Bühne übertragen kann. Die Kolleg: innen der Technik haben das sehr eindrücklich aus allerhand bereits vorhandenen Materialien gebaut, und so können wir danach viel detailreicher in der Werkstatt weiterarbeiten.

DIE FRAGEN STELLTE Johanna Wildling