«Un ballo in maschera» | Liebe, Intrige, Verrat

In Un ballo in maschera verwandelt Verdi ein historisches Ereignis – das Attentat auf den schwedischen König Gustav III. – in ein packendes Operndrama, das durch die Entgleisung privater Konflikte die Fragilität politischer Systeme offenbart.
König Gustavo liebt Amelia, die Frau seines engsten Ratgebers und besten Freundes Renato. Amelia erwidert seine Gefühle, weiß aber um die Unmöglichkeit dieser Liebe und sucht Rat bei der Wahrsagerin Ulrika. Diese erzählt ihr von einem Kraut, das sie – im Mondschein gepflückt – von der verbotenen Liebe befreien kann. Gustavo belauscht dieses Gespräch und folgt Amelia zu jenem düsteren Ort, an dem das geheimnisvolle Kraut wächst. Dort gibt sich Gustavo schließlich zu erkennen. Doch während die beiden sich ihre Liebe gestehen, nimmt das Unheil bereits seinen Lauf.
Gefangen in seiner Leidenschaft für Amelia und geblendet von seiner Sorglosigkeit erkennt Gustavo nicht, dass sein Leben – und mit ihm die politische Stabilität seines Landes – in Gefahr schwebt. Weder Renatos eindringliche Warnungen noch Ulrikas düstere Prophezeiung dringen zu ihm durch. Im Vertrauen auf die Liebe seines Volkes hält sich der König für unantastbar, doch die Verschwörung ist längst im Gange. Zuletzt kann ihn auch Amelias verzweifelter Brief, in dem sie ihn bittet zu fliehen, nicht retten. Statt Achtsamkeit und Vorsicht wählt er den Glanz und Trubel des Maskenballs und mischt sich trotz der drohenden Gefahr unter die Gäste.
Ausdruck politischer Haltung
Im 19. Jahrhundert, zu Verdis Lebzeit, war Italien – wie weite Teile Europas – von großen politischen Turbulenzen geprägt. An der Mailänder Scala kam der Komponist mit dem Gedankengut dortiger kultureller Kreise und jungen politischen Bewegungen in Berührung. Deshalb wurden seine Opern immer wieder als Ausdruck seiner politischen Haltung gelesen: So nennt die Verdi-Biografin Mary Jane Phillips-Matz etwa die Choräle in Nabucco und Die Lombarden sowie verschiedene Passagen aus Attila als Ausdruck seines Patriotismus.
In der Folge eigneten sich auch oppositionelle Kreise und Teile der Bevölkerung seine Werke an. So wurden Aufführungen zum Anlass von Demonstrationen und die Werke Verdis für die Behörden zum Ausdruck politischer Opposition. Dadurch hatte der Komponist immer wieder mit der Zensur zu kämpfen.
Dies war auch bei Un ballo in maschera der Fall. Aufgrund der heiklen Thematik eines Anschlags auf ein Staatsoberhaupt stellte sich die neapolitanische Zensurbehörde der Uraufführung am Teatro San Carlo in den Weg. Nachdem Verdi den Konflikt mit der neapolitanischen Zensur nicht länger hinnehmen wollte, wurde eine Aufführung in Rom angestrebt. Auch dort verlangten die päpstlichen Zensurbehörden weitreichende Änderungen an Ort, Zeit und Figuren. Schließlich kapitulierte Verdi und schrieb seinem Librettisten Antonio Somma: «Was halten Sie von Nord- Amerika zur Zeit der englischen Besetzung? […] Wenn nicht Amerika, dann irgend etwas anderes. Vielleicht der Kaukasus.»
«Der politisch konnotierte Plot bleibt eng mit der tragischen Liebesgeschichte verwoben.»
Bei genauerem Blick auf die unterschiedlichen Fassungen wird klar, dass Verdi kaum Änderungen an der dramaturgischen Struktur der Oper vorgenommen hat. Die Erzählung bleibt in ihrer Form bestehen – verändert werden vor allem Ort, Zeit, Namen und Titel der Figuren. Der politisch konnotierte Plot bleibt eng mit der tragischen Liebesgeschichte verwoben. Dabei verknüpft Verdi in Un ballo in maschera mit meisterhafter Präzision Liebe, Eifersucht und historische Fakten zu einer unaufhaltsamen Folge von Ereignissen, in der jede Wendung auf die finale Katastrophe zusteuert. Begleitet von fein charakterisierender und durchgängig spannungsgeladener Musik hält der Komponist sein Publikum bis zum letzten Ton in Atem.
Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović legt besonderes Augenmerk auf eine feine Personenführung innerhalb der hochemotionalen Konflikte dieses Werks. Dabei bleibt alles im musealen Rahmen des Bühnenbilds von Jan Freese festgehalten, wie ein Zeitgeist, der nie vergeht.



