
Die Dreigroschenoper
Von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik) unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann
Inhalt
«Ja, renn nur nach dem Glück, / Doch renne nicht zu sehr, / Denn alle rennen nach dem Glück / Das Glück rennt hinterher.»
In einem London der unbestimmten Vergangenheit, Zukunft oder Gegenwart stehen das Überleben und die eigene Bereicherung über moralischen Bedenken. Für Mr. Peachum, selbsternannten «König der Bettler», gilt: Auch Mitleid ist Ware. Sein Geschäft beruht darauf, Bettelnde mit der richtigen Portion Jammer auszustatten, um maximale Spendenbereitschaft der Passant:innen zu erzeugen. Selbstverständlich kassiert er den Großteil des Ertrags, denn «erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral». Seine Tochter Polly verfolgt einstweilen eigene Pläne: Sie heiratet den Gangster Macheath, genannt Mackie Messer. Dieser ist charmant, skrupellos und bestens vernetzt. Für ihren Vater Peachum, «der die Härte der Welt kennt, bedeutet der Verlust seiner Tochter dasselbe wie vollkommener Ruin.» Er setzt alles daran, Mackie der Polizei auszuliefern.
Doch auch das Gesetz ist in dieser Welt nicht unbestechlich. Macheath kann auf alte Beziehungen zählen: Polizeichef Brown war einst sein «Kanonenfreund». Die Grenzen zwischen Verbrechen und Ordnung, zwischen Recht und Unrecht verlaufen fließend. Denn «leider hat man bisher nicht vernommen, / Daß etwas recht war und dann war’s auch so.»
Von ökonomischen Abhängigkeiten, wachsender sozialer Ungleichheit und einem System, das sich moralisch oft dort empört, wo es am wenigsten kostet, konnte nicht nur damals ein Lied gesungen werden. Die «Oper für Bettler» hat seit der Uraufführung 1928 nichts von ihrer Aktualität, Schärfe und ihrem mitreißenden Sound verloren.


