Expert:innen für Jahreszeiten

   Blogbeitrag

Von der ersten Idee im Kopf bis zur Umsetzung auf der Bühne: Vincent Mesnaritsch (Bühne), Aleksandra Kica (Kostüme), Silas Bieri (Sounddesign) und Choreograf Marcel Leemann geben kleine Einblicke in ihre Inspirationen und Gestaltungsvorlagen rund um Die vier Jahreszeiten in der Neukomposition von Max Richter.

Die erste Tanzproduktion unter der Co-Direktion von Marcel Leemann und Stefan Späti ist ein wahres Gemeinschaftswerk. Ein Team von Expert:innen kam zusammen, legte aufgrund des durch Choreografie und Dramaturgie erarbeiteten Konzepts ästhetische und inhaltliche Richtlinien fest und machte sich an die Arbeit.

Vincent, du hattest die Herausforderung, auf der Basis von Frühling, Sommer, Herbst und Winter ein Bühnenbild zu entwerfen. Wie bist du vorgegangen?

Vincent Mesnaritsch Es gibt einige Möglichkeiten, Die vier Jahreszeiten auf die Bühne zu bringen. Die Naheliegendste ist, ihre meteorologischen Charakteristika darzustellen: Wind, Schnee, Regen, Laub, Blüten etc. Man kann sie aber auch als Metapher eines Lebenszyklus betrachten, von der Geburt über das Erwachsenwerden bis zum Tod. Eine weitere Option war das instinktive Verhalten von Tieren im Kreislauf der Natur – bei Zugvögeln schön zu beobachten. Und natürlich drängten sich auch die durch den Menschen verursachten klimatischen Veränderungen als Thematik auf. Ich habe Aspekte aus all diesen Möglichkeiten in mein Bühnenbild einfließen lassen.

video - Titelbild
Aleksandra Kica

Aleksandra, wie stelltest du für das Kostümbild Verbindungen zu den Jahreszeiten her, und wo holtest du dir Inspiration?

Aleksandra Kica Man darf in erster Linie nicht vergessen, dass wir ein Tanzstück machen. Es war meine Aufgabe, auf die Körper der Tänzer:innen und ihre Bewegungsfreiheit zu achten. Kostümbild hat viel mit Assoziation zu tun. Man schafft Gefühle, Stimmungen und Sympathien durch optische Reize wie Farben, Beweglichkeit der Materialien, deren Struktur. So wird ein weicher Strickstoff oft mit Geborgenheit assoziiert, Silber mit Kälte, Neofarben mit Verrücktheit und Spontaneität. Transparente oder semitransparente Stoffe können einem das Gefühl von schwebender Flüchtigkeit und Unnahbarkeit vermitteln. An zweiter Stelle standen bei mir Farben, da sie Stimmungen exakt einfangen können. Beim Thema Jahreszeiten liegt auf der Hand, dass sich die Kostüme visuell, farblich und atmosphärisch immer wieder verändern.

„Man kann sich diesem Werk nicht entziehen,
das eine neue Generation von Hörer:innen ebenso
zu begeistern vermag wie ausgeprägte Klassik-Fans.“

Marcel Leemann, Choreograf

Silas, was war deine Aufgabe bei der Bearbeitung einer bereits bestehenden Komposition für die Bühne, und wie bist du vorgegangen?

Silas Bieri Gerade im Theater ist es wichtig, mit Dynamik zu spielen. Man hat da die Möglichkeit, weitaus mehr Lautstärkenunterschiede als bei einem klassischen Orchester oder der Akustik in einem Kinosaal einzuarbeiten. Dafür waren eine ganze Menge Tricks notwendig, wie beispielsweise Umschichtungen und Aufnahmen von zusätzlichen Instrumenten. Wann immer ich mit künstlerischen Vorgaben wie Kompositionen, Choreografien oder Film arbeite, versetze ich mich zuerst einmal in deren bestehende Ästhetik hinein. Ich analysiere Tempi, Charakteristika, Texturen und welche Dramaturgien sich ergeben. In diesem Fall hatte ich mit einer mehrschichtigen Situation zu arbeiten, da Max Richter bereits eine Neukomposition geschaffen hat. Seine Analyse zur Rekomposition von Vivaldi nahm ich nun wiederum bei ihm vor.

Und zu guter Letzt: Marcel, warum Richters Version und nicht Vivaldis Original?

Marcel Leemann Man kann sich diesem Werk nicht entziehen, das eine neue Generation von Hörer:innen ebenso zu begeistern vermag wie ausgeprägte Klassik-Fans. Max Richter sagte einst, Die vier Jahreszeiten seien eines der ersten klassischen Musikstücke gewesen, die er gehört habe. Dasselbe gilt für mich auch. Dieses Meisterwerk mit poetisch-kraftvollen Bildern tänzerisch zu befüllen, wird eine großartige Reise werden. 

video - Titelbild
Marcel Leemann

DIE VIER JAHRESZEITEN

Tanzstück von Marcel Leemann

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