Marcel Brunner (Seher), Hazel Neighbour (Echo) © Felicitas Stecher
Musiktheater

missing in cantu (eure paläste sind leer)

Musiktheater von Johannes Maria Staud

Libretto von Thomas Köck

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Empfohlen ab 16 Jahren
Großes Haus
Anreise
Österreichische Erstaufführung 23. Mai 2026
Dauer ca. 1 h 40, Keine Pause

Inhalt

Die Suche nach dem sagenumwobenen Eldorado und die Anziehungskraft des Goldes sind der Ausgangspunkt des hitzeflirrenden, surrealen Opernepos, den sich der Innsbrucker Komponist Johannes Maria Staud (*1974) und der erfolgreiche oberösterreichische Bühnenautor Thomas Köck (*1986) für ihre erste Zusammenarbeit vorgenommen haben.

Ein Seher zieht Bilanz. Er hat alle Katastrophen vorhergesehen, aber keine abwenden können. Im Dialog mit Echo, seiner Liebe, stellt er sich der Anklage, seine Möglichkeiten verpasst und zu den Schrecken, die er vorhergesehen hatte, geschwiegen zu haben. Von diesem Bild einer untergegangenen Zivilisation, entfaltet sich das Stück als Rückblick in Schleifen, Brüchen, Wiederholungen und Bildern, die sich zunehmend in- und übereinander schieben. Das Libretto verknüpft mehrere Bildwelten aus der Geschichte der westlichen Zivilisation: die Eroberung des amerikanischen Kontinents durch spanische Konquistadoren im 16. Jahrhundert, die heutige Opiatkatastrophe in US-amerikanischen Vorstädten, dystopische Szenen aus einer Fleischfabrik, die die brutalen Auswüchse eines Turbokapitalismus zeigen, religiösen Wahn, Machtwahn. Nach dem Zusammenbruch der westlichen Welt erscheint Geschichte rückblickend als Spirale einer Dynamik von Machtrausch, Gier, Unterwerfung, Ausbeutung und Verdrängung.

Staud, der 2022 den Österreichischen Kunstpreis für Musik und 2025 den Tiroler Landespreis für Kunst erhielt, verbindet die gesellschaftliche Analyse des Librettos mit einer äußerst erfindungsreichen, mitreißenden, suggestiven Klangsprache. Während der Titel missing in cantu («verloren im Gesang») auf eine säkulare «missa» (Messe) anspielt und das Werk sich tatsächlich als eine Art Requiem deuten lässt auf das Ende einer Zivilisation, setzt Staud der dystopischen Bilderflut eine überbordend farbige, vielseitige und geradezu offensiv lebendig wirkende Musik entgegen, die heterogenste Stil- und Materialebenen zum Kaleidoskop fügt.

Mit der Österreichischen Erstaufführung von missing in cantu steht zum ersten Mal eine Oper von Staud auf dem Spielplan des TLT, inszeniert von der opernerfahrenen Co-Direktorin Schauspiel Bettina Bruinier.

Die Innsbrucker Inszenierung zeigte mit Mut zu Überzeichnungen blitzlichtartig in 15 Episoden den Zerfall der westlichen Zivilisation. Das Publikum reagierte überaus wohlwollend.

Schauspielerisch glänzt – der gelernte Schauspieler – Stefan Riedl. Als drogensüchtiger Desperado macht der Landestheater-Routinier das Kaputte einer modernen Gesellschaft fast schon physisch erlebbar.

Dass dieses Potpourri aus unterschiedlichen Klängen, Genres, dramatischen Situationen, Videoebenen und Kameraeinstellungen einen beträchtlichen Unterhaltungswert besitzt, lässt sich kaum bestreiten.

Allen voran trägt Bassbariton Marcel Brunner als Seher so manche Szene, stimmlich bewältigt er jede Herausforderung souverän. In nichts steht ihm das Echo nach.

Besetzung

ChoreografieVolker Michl
DramaturgieJulia Spinola
Live-Elektronische RealisationSWR Experimentalstudio
KlangregieMichael Acker
Mitarbeit KlangregieReinhold Schinwald, Hansjörg Sofka
Drogenabhängiger Hausbesitzer / AttentäterStefan Riedl
Reporterin / Schlachthausassistentin / Drogensüchtige Mutter / 1. PolizistinBernarda Klinar
Kameramann / Schlachthausbesitzer / Drogensüchtiger Vater / 2. PolizistJakob Nistler
3. PolizistinSabrina Henschke

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